Bahnhaltestelle Flughafen Linz versus Haltestelle Turmstraße mitten in Linz

Gelten im Abstand von 10 km die gleichen Grundsätze ?

Haltestelle Flughafen ist kein Ersatz für die Haltestelle Pasching

Es geht der Politik und der ÖBB nicht um die bestmögliche Lösung!

Wenn die ÖBB die Berechtigung für die geplante Haltestelle Flughafen im Bereich der neuen Flughafenkurve der Weststrecke u.a. durch die 7.000 Arbeitsplätze in weit verstreuten Betrieben im weiten Umfeld des Flughafens Linz sieht (z.B. OÖN 20.8.2025 bzw. auch in der Info-Box beim Flughafen), warum sieht sie das nicht im Umfeld der überfälligen Haltestelle Turmstraße im Zuge des Ausbaues des Westbahnabschnittes im Linzer Osten?
Es ist geradezu absurd, dass die ÖBB bei der Haltestelle Flughafen von einer „Station direkt vor der Bürotür“ (dieser 7.000 Beschäftigten) spricht. Viel mehr Greenwashing für eine fragwürdiges Bahnprojekt geht nicht. Dazu ergänzende Fragen am Schluss dieser Aussendung.
Die Haltestelle Turmstraße wäre die dem Schwerpunkt der zigtausenden Arbeitsplätze im VÖEST-Gelände am nächsten liegende und könnte gleichzeitig die umliegenden Stadtbereiche westlich des Bahngeländes deutlich besser anbinden.

Während es für diese tausenden Arbeitsplätze im VÖEST-Gelände zumeist keine Gratisparkplätze gibt, ist das bei den Betrieben im Umfeld der Haltestelle Flughafen der Normalfall. Und der Faktor der ÖV-Nutzung zwischen den Rahmenbedingungen „Gratisparkplätze am Arbeitsplatz vorhanden“ und „kein Gratisparkplatz am Arbeitsplatz vorhanden“ liegt gemäß wissenschaftlichen Erkenntnissen im Verhältnis 1 zu 4 (!!).

Es gibt also im Umfeld der Haltestelle Turmstraße aufgrund der deutlich größeren Zahl an Arbeitsplätzen im VOEST-Gelände und dem Fahrgastpotenzial des Stadtteiles Spallerhof im Westen ein viel größeres Fahrgastpotenzial und – aufgrund der geringen Anzahl an Gratisparkplätzen im VOEST-Gelände eine 3 x so große Wahrscheinlichkeit, dass die Berufstätigen im VOEST- Gelände tatsächlich die Bahn benützen würden.

Also wäre die Berechtigung für die Haltestelle Turmstraße in Summe mindestens um den Faktor 10 höher als für die Haltestelle Flughafen, wofür ja an der wegfallenden schnurgeraden Weststrecke 2 Haltestellen (Pasching und Hörsching) einfach aufgelassen werden.
Wenn dieses Missverhältnis so groß ist, dann kann es nicht sein, dass die Haltestelle beim gegenüber den ersten Verlegungsideen radikal geschrumpften Flughafen gebaut wird und die Haltestelle im Bereich der Turmstraße im Herzen von Linz nicht.

Die Haltestelle Flughafen ist in Bau, die Haltestelle Turmstraße irgenwann auf die Zukunft verschoben.

Man sollte davon ausgehen, dass die seitens der ÖBB für die Haltestelle Flughafen vorgebrachten Argumente auch 10 km weiter östlich gelten.

Selbst nach Errichtung des Nahverkehrsknotens Franckviertel (ca. 1km östlich des Hauptbahnhofes) bliebe auf der Weststrecke bei Nichterrichtung der Haltestelle Turmstraße ein Haltestellenabstand von 6,5 km bis zur Haltestelle Ebelsberg, was für eine durch dicht besiedeltes städtisches Gebiet führende Hauptstrecke im Vergleich mit anderen Ballungsräumen in Österreich eindeutig zu viel ist.

Vom zukünftigen Nahverkehrsknoten Franckviertel sind es rund 4 km und von der Haltestelle Ebelsberg rund 3 km bis ins Zentrum des VÖEST-Geländes. Von der Haltestelle Turmstraße sind es gerade einmal etwas mehr als 1 km, also die bei weitem attraktivste Bahnanbindung des VÖEST-Geländes an die Weststrecke.

Man sollte die Haltestelle dort errichten, wo die Leute aussteigen wollen und wirklich nur mehr eine letzte Meile zu ihrem Arbeitsplatz haben und nicht dort, wo die letzte Meile 2 – 3 x so lang ist.

Also wenn die Haltestelle Flughafen auf Basis der vorgebrachten Gründe in den Pampas der Welser Heide, wo die letzten großen Felder von den ÖBB mit einem breiten versiegelten Band durchfahren werden, eine Berechtigung hat, dann sollte im Osten von Linz die Haltestelle Turmstraße umso mehr eine haben.

Auch die Haltestelle Pasching muss jetzt errichtet werden!

Bei einem Gesamtvolumen des Westbahnausbaues zwischen Kleinmünchen und Wels von mehr als 2 Milliarden Euro wäre das wirklich ein absolutes NoGo, die beiden Nahverkehrshaltestellen in Pasching (als Ersatz für die weggefallene Haltestelle an der alten geraden Strecke) und in der Turmstraße nicht gleich zu errichten.
In Wirklichkeit wäre es ein Bosheitsakt, den Paschingern nicht sofort wieder eine Nahverkehrshaltestelle zur Verfügung zu stellen. Das Argument der geringen Nutzung war ja v.a. durch das schlechte Bahnangebot begründet.

Dass Derjenige, der vom Steuerzahler einen Milliardenbetrag erhält, um hier die Bahninfrastruktur auszubauen, darüber entscheidet, ob die paar Millionen für eine Haltestelle, die immer da war, gerechtfertigt sind und keinen adäquaten Ersatz schafft, ist mehr oder weniger ein Willkürakt des in Wien sitzenden Monopolisten und ein Denkfehler, wenn der Geldnehmer in Wien, der dieses Projekt errichtet, über das ÖV-Schicksal von Hunderten Leuten in OÖ allein entscheiden kann. Den österreichischen Steuerzahlern ist es vollkommen egal, ob für eine gute Gesamtlösung, das heißt hier konkret inklusive der Wiederrichtung der wegfallenden Haltestelle Pasching, die Gesamtkosten noch ein paar Promille steigen.

Wenn man aktuell schon das Ausmaß der Baustelle mit den zahlreichen Brücken und Durchlässen sowie der sehr breiten Baufläche auf diesen 16 Kilometer sieht, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Errichtung einer Haltestelle für den Nahverkehr als Ersatz für eine jahrzehntelang vorhandene und jetzt aufgelassene Haltestelle nicht auch noch möglich ist. Wenn nicht jetzt, dann kommt sie auch in den nächsten 20 Jahren nicht.

Wenn man dieses Gesamtprojekt verfolgt, dann muss man davon ausgehen, dass die Politik diese Fragen nicht wirklich interessiert, vor allem nicht die wirklich entscheidenden, verkehrlichen Zusammenhänge. Hauptsache ist, es wird sehr viel Geld in OÖ in die Bahn investiert.
Und die ÖBB ist auch nicht jene Institution, die sich besonders für die bestmögliche Lösung des Nahverkehrs in Großraum Linz einsetzt, sondern vor allem Interesse an der durchgehenden Viergleisigkeit der Weststrecke hat.
Vielmehr ist die Schaffung der Möglichkeit, die (aufgelassene) Haltestelle Pasching irgendwann in ferner Zukunft auf der neuen Strecke zu errichten und für die Haltestelle Turmstraße auch keine Ambitionen zu haben, deutlicher Ausdruck, dass der Politik und den ÖBB die bestmögliche Wirkung dieser Milliardeninvestition für die Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs im Großraum Linz relativ egal ist.

Nachspann: Fragen zur geplanten Haltestelle Flughafen Hörsching (laut ÖBB 7.000 Arbeitsplätze im Einzugsgebiet)

F1          Was ist die durchschnittliche Entfernung der in der Info-Box angegebenen 7.000 Arbeitsplätze zur im Bau befindlichen Haltestelle Flughafen?

F2          Wo liegt der Schwerpunkt der Arbeitsstätten dieser 7.000 Beschäftigten?

F3          Wie viele dieser Angestellten haben einen Gratisparkplatz?

F4          Wie hoch ist der derzeitige ÖV-Anteil (Bahn-Anteil) der Personen der dort arbeitenden Personen?

F5          Welche wirksamen Maßnahmen sind geplant, um die Beschäftigten aus den Autos in die Bahn zu holen?

F6          Werden zum Einzugsgebiet bei der Hst. Flughafen auch Firmen dazugezählt, die näher an der Hst. Oftering bzw. auch näher zu einer (auch nach Verlegung notwendigen) Hst. Pasching liegen?

Ergänzend zu diesen Fragen zur Hst. Flughafen gibt es in dem in dieser PA angeführten Themenkomplex Ausbau Weststrecke im Großraum Linz sehr viele weitere Fragen, die in diesem Zusammenhang noch nicht beantwortet sind

Eine Auswahl von Fragen finden Sie hier:

http://www.inamo.at/wp/bahnen-oo/westbahn/4spuriger-ausbau-weststrecke-im-grossraum-linz/

Bevor diese nicht beantwortet und glaubhaft begründet sind, muss man davon ausgehen, dass hier Milliardeninvestitionen getätigt werden, wo man einiges nicht überlegt hat und keine offene Variantenuntersuchung vor allem im Hinblick auf die notwendigen Haltestellen durchgeführt wurde und eine hochrangige, vierspurige Strecke samt Haltestellen baut, wo man zuerst nicht auf die Suche nach der besten Lösung für den Großraum Linz gegangen ist.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.