Halbe Sache Nibelungenbrücke – Funktionierende Rad-Lösung ist kurzfristig umsetzbar
Ein Jahr sollte reichen, um die richtigen Erkenntnisse aus den Fehlern des letzten Jahres gezogen zu haben
Heute vor einem Jahr wurde die Rad-Sicherheits-Lösung auf der Westseite der Nibelungenbrücke wieder abgebaut.
In diesen 365 Tagen mussten sich rund 500.000 RadfahrerInnen bei der Donauquerung wieder der gleichen Gefahr aussetzen wie vorher Millionen von RadfahrerInnen seit 1986. 500.000 Fahrten pro Jahr sind mehr als doppelt so viele, wie Linz Einwohner hat. Die Sicherheit dieser Radfahrer*innen ist den zuständigen Politikern egal.
Das Leben in dieser Stadt geht genauso weiter, als hätte es nie jahrelange Ankündigungen gegeben, dass mit der Öffnung der Westringbrücke – zusätzlich zu den sonst erfolgten Brückenbauten – diese Sicherheitslösung für Radfahrer kommen wird.
Nicht akzeptabel ist, dass die zuständigen Politiker nicht nur ihr mehrfaches Versprechen gebrochen haben, sondern auch nicht bereit sind, die wahren Gründe dieses Debakels zu nennen.
Deswegen wird eine interne Arbeitsgruppe nichts bringen und weiterhin täglich tausende Radfahrerinnen der Gefahr aussetzen. Die Politik war weder im Vorfeld noch nach der gescheiterten Radsicherheitslösung bereit, die betroffenen Radfahrer bei den Beratungen mit einzubinden. Das ist so, wie wenn man alle Lösungen für Blindenleitrichtungen ohne die Blinden macht oder Verbesserungen für Rollstuhlfahrer ohne betroffene Rollstuhlfahrer erfolgen.
Landesrat Steinkellner hat über die Jahre viele Aussendungen zur Sicherheit von Radfahrern gemacht. Wie viel diese ihm wirklich wert ist, sieht man auf dem wichtigsten – aber auch einem der gefährlichsten – Radweg in Oberösterreich.
Die Dauer und die Leistungsfähigkeit der Ampelphasen am Brückenkopf waren damals so festgelegt, dass es nicht funktionieren konnte. Sie wurden offensichtlich nicht auf den zu erwartenden bzw. dann auch tatsächlichen Verkehr abgestimmt. Das hätte von heute auf morgen deutlich verbessert werden können, wurde aber für die rechte Ampel nicht gemacht. Die beiden Politiker haben damals auf die Vorschläge nicht reagiert. Wie auch letzten Juni festgehalten, war die fehlende halbe Fahrspur nicht der Grund für den zusätzlichen Stau.
Neuerlicher, rascher Anlauf für die Sicherheit des Radverkehrs am wichtigsten Radweg Oberösterreichs alternativlos!
Es braucht keine Neuplanung, sondern die weitgehende Umsetzung der letztjährigen Lösung mit geringfügigen, aber sehr wirksamen Anpassungen. Dieses Mal also mit ausreichender Ampelleistungsfähigkeit auf drei Spuren am südlichen Brückenkopf und dafür Schaffung einer kurzen Spur für die Rechtsabbieger.
Man muss also nur die zwei Gründe wegbringen, die vor einem Jahr die Probleme und den Stau verursacht haben. Die zu geringe Leistungsfähigkeit der Ampeln und die (sehr unklar gebliebenen) Konflikte mit der Straßenbahn.
Es macht einen sprachlos, was da an geistigen Verrenkungen stattfinden, um die xte Verschiebung einer jahrzehntelang angekündigten Lösung für den Radverkehr zu rechtfertigen. Nach der Verknüpfung der Sicherheitslösung auf der Nibelungenbrücke mit dem Radweg nach Wilhering im Jahr 2013 sind es jetzt plötzlich Verkehrslösungen in Urfahr und am Hauptplatz, die die Radler weiter warten lassen sollen. Diese Verknüpfung ist einerseits fachlich unseriös und zudem verantwortungslos, wenn es sofort möglich ist, diese deutliche Erhöhung der Sicherheit, die es letztes Jahr für zwei Wochen gegeben hat, in der nun richtigen Art und Weise umzusetzen.
Auch wenn noch so viele Millionen auf der Ostseite der Nibelungenbrücke in den Radverkehr investiert werden, ändert das nichts daran, dass die Westseite weiterhin gleich gefährlich wie in den letzten 40 Jahren bleibt. Einem an beiden Knien verletzten Patienten wird man auch durch noch so viele medizinische Maßnahmen am linken Knie nicht helfen können, wenn am rechten Knie alle Bänder gerissen bleiben.
Jetzt aus den Erkenntnissen des letzten Jahres lernen und ohne die beim Radprovisorium gemachten Fehler neu umsetzen
Um sich für eine neuerliche Umsetzung der Rad-Sicherheits-Lösung nicht von der gleichen Seite zu nähern und wieder zu schauen, ob in ein Seiterl-Glas vielleicht doch ein halber Liter hineinpasst, wird daher der umgekehrte Weg vorgeschlagen:
Die neuerliche Rad-Sicherheits-Lösung auf der Westseite wird mit drei Ampelspuren am südlichen Brückenkopf umgesetzt, d.h. mit der aktuellen Ampeleinstellung. Damit ist die gleiche Leistungsfähigkeit des Kfz-Verkehrs gegeben wie in den letzten 365 Tagen.
Die Leistungsfähigkeit von zwei breiten Fahrspuren über die Brücke liegt bei rund 3.000 bis 4.000 Kfz pro Stunde, also um mehr als das Doppelte höher als der jetzt vorhandene Kfz-Verkehr.
Vor 40 Jahren sind fast 100 Prozent mehr (!) Autos in der Frühspitze mit drei Ampeln über die Nibelungenbrücke nach Süden gefahren. Da wird man wohl jetzt mit ebenso viel Ampeln und zwei zuführenden Spuren, die das Doppelte (!) des jetzigen Verkehrs aufnehmen können, das auch noch schaffen.
Damit ist auch belegt, dass die Aussage, „dass das Radprovisorium auf der Nibelungenbrücke gezeigt hat, wie sensibel und schwer prognostizierbar das Verkehrssystem insbesonders in der Morgenspitze selbst auf kleine Änderungen reagiert“ eine fachlich nicht begründete Angstmache ist und in unzulässiger Weise gegen die Sicherheit der Radfahrer*innen verwendet wird.
Damit auch die Politik für sich hier kein Risiko eingeht, kann der Start der Wiederholung dieser Sicherheitslösung für den Brückenbereich in einem Probebetrieb mit mobilen Leiteinrichtungen erfolgen, die dann bei der zu erwartenden Erkenntnis, dass diese Lösung funktioniert, wieder auf die im April 2025 schon für 10 Tage vorhandene bauliche Lösung mit Betonfertigteilen geändert wird. Solange das nicht umgesetzt ist, bleibt es beim Richtungsverkehr für den Radverkehr auf der Westseite.
Der Sicherheitsgewinn – als Radfahrer nicht mehr vor einem Auto oder LKW auf der Fahrbahn landen zu können und überrollt zu werden – stellt sich sofort ein. Und auch das seit 40 Jahren vollkommen unzulässige unmittelbare Vorbeifahren von Lkws am rechten Fahrstreifen, die zeitweise in den Lichtraum des Radverkehrs ragen (siehe Bilder), ist damit sofort Geschichte.

Hier werden seitens der Politik seit Jahrzehnten Gesetze gebrochen.
Die Länge der erforderlichen Abbiegespur bei der Ampel nach rechts kann im Zuge des Probebetriebs festgelegt werden.
Die Probleme mit der Annäherung von Lkws und Bussen an die Straßenbahn können nicht mehr auftreten, weil diese nicht in die linke Spur wechseln müssen sondern in der rechten Spur fahren können, die bei der Ampel am südlichen Brückenende auch ein Linksabbiegen ermöglicht. Bei einem LKW-(Bus-) Anteil von 5 Prozent ist die Nutzung der linken Spur als ausschließliche PKW-Spur in jedem Fall umsetzbar.
Für die Dauerlösung bleibt dann nur mehr ein rund 40 bis 50 Meter langer Abschnitt am Südende des westlichen Brücken-Gehsteigs, wo geprüft werden muss, wie hier eine Abwicklung des Fuß- und Radverkehrs funktionieren kann, wenn in beiden Richtungen geradelt werden darf, was natürlich anzustreben ist.

Ob hier eventuell mit dem Hinausversetzen des Geländers schon das Auslangen gefunden werden kann oder für diese 40 – 50 m Länge eine Sonderkonstruktion außen angebracht wird, wo bis zu rund ein Meter zusätzlicher Breite gewonnen werden müsste (ähnlich der vorhandenen Projektierung aus dem Jahr 2011), wäre im Detail zu prüfen (grober Vorschlag anbei). Die Prüfung dieses Detailbereichs ist aber kein Grund, diese neuerliche Einrichtung der Rad-Sicherheits-Lösung nicht sofort wieder sofort anzugehen.
Die vorhandenen Umbauten am Nordende des Hauptplatzes bzw. im Bereich der Fiedlerstraße in Urfahr können bei dieser neuen Lösung wieder wie im letzten Jahr verwendet werden.
Bitte endlich Versprochenes umsetzen!
Wenn fachlich nichts mehr dagegenspricht, kann man nicht einfach nur nein sagen. Es kann nicht die Hauptaufgabe der Politik sein, immer wieder nur verschieben, wieder zu verschieben und nochmals verschieben.
Die Umsetzung dieser Rad – Sicherheitslösung war eindeutig mit der Eröffnung der Westring-Brücke verknüpft. Das Freiwerden dieser kleinen Teilfläche (7 Prozent der seit 2017 neu (!) geschaffenen Brückenfläche über die Donau) für den Radverkehr auf der Nibelungenbrücke war ganz klar mit der Investition von Hunderten Millionen Euro in neue Brücken über die Donau verknüpft. Diese Verknüpfung kann nicht aus einem Schnellschuss von ein paar wenigen, persönlich nicht betroffenen Politikern aufgehoben werden. Zudem haben die Radfahrer*innen Jahrzehnte darauf gewartet und genauso lang sich einem unnötigen Lebensrisiko ausgesetzt. Wie schnell ein Leben ausgelöscht sein kann, zeigt der tragische tödliche Unfall am nördlichen Brückenkopf am letzten Sonntag.
Dietmar Prammer hat in seinem Schreiben vom Juni 2025 an mich das Richtige gesagt: „Dem Versprechen, das in vielen Strategiepapieren und Beschlüssen formuliert wurde, müssen Taten folgen.“ Ja, Herr Prammer, so ist es! Sie sind von den beiden Politikern (und dem 3. im Hintergrund) vor einem Jahr überrumpelt worden. Geben Sie sich einen Kick und setzen Sie als Bürgermeister dieser Stadt unter diesen stark geänderten, oben beschriebenen Voraussetzungen diese überfällige Lösung für Tausende Linzer Bürger*innen durch! Sie haben im Vorfeld der Wahl 2025 versprochen, dass Sie ein „Bürgermeister für alle“ sein wollen. Warum sollte das für tausende Linzer Radfahrer*innen nicht gelten?
Was am wichtigsten Radweg von Oberösterreich für den Radverkehr passiert oder nicht passiert, ist ein Maß für den Stellenwert des Radverkehrs in diesem Land bzw. in der Landeshauptstadt.
Wenn es noch einen Funken Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in dieser Stadt gibt, dann ist diese Lösung jetzt umzusetzen und nicht irgendwann nach dem Jahr 2032.